Ich habe aufgegeben. Keine Angst, nicht mit dem Kampf, aber mit dem Glauben an den platzenden Knoten. Den Schalter, der sich umlegt und das Klicken, auf das wir alle so gerne warten und mit dem wir unser Nichts-Tun im Kampf gegen die Krankheit rechtfertigen können und wollen.

Ich glaube nicht mehr daran, dass es einen Punkt in der Gesundungsphase gibt, an dem wir plötzlich leben wollen, plötzlich eine Entscheidung treffen. Und plötzlich läuft es, und alles ist gut. Wir ziehen unsere Siebenmeilenstiefel an und laufen in ein normales, nicht mehr essgestörtes Leben. Nope.

Ich glaube vielmehr daran, dass wir jeden Tag tausende kleiner Entscheidungen gegen die Krankheit treffen müssen (und können!). Da ist ein Schalter, da ist ein Knoten, und da ist ein Klicken. Manchmal sitzt der Knoten eben lockerer, manchmal können wir den Schalter leichter bedienen, je nach Stimmung, je nach „akuten“ Motivatoren (positiver oder negativer Art).

Ich glaube, dass der Schalter zu einer selbsterfüllenden Prophezeiung der Untätigkeit werden kann: Ich kämpfe gegen die Krankheit – sobald der Schalter sich umgelegt hat. Noch ist es nicht soweit. Noch kann ich, noch darf ich, noch will ich in meiner Krankheit bleiben. Wie kann ich auch etwas ändern, solang der Knoten noch nicht geplatzt ist?

Dabei übersehen wir dann mutwillig und sehr gerne – ist ja einfacher! –, dass es in uns und an uns liegt. Dass wir selbst bestimmen. Jede Veränderung und jede Entscheidung obliegt immer uns ganz allein. Niemandem sonst. Aber auch keiner Essstörung. Wir können uns für die Essstörung und krankes Verhalten entscheiden („Ich kann nicht, das geht heute nicht.“), aber dann müssen wir auch dazu stehen. Zu unserer eigenen Schwäche stehen. Das tut viel mehr weh, als den Schwarzen Peter „der Essstörung“ zuzuschieben.

Und wenn wir dann ehrlich dazu stehen, dann fängt hoffentlich das Hinterfragen an: Spinn ich eigentlich? Warum mache ich das? Warum lasse ich mir mein Leben von einer fehlgeleiteten Stimme kaputtmachen? Warum tue ich mir das selber an?

Teilen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.