Eine Netflix-Serie, die für Essgestörte durchaus hilfreiches Seelenbalsam ist.

Worum geht es?

Die sogenannten Fab Five – fünf Schwule – ziehen los, um das Leben eines Menschen zu verändern, der von seinem Partner, Freunden oder wem auch immer dafür empfohlen wurde. Dabei gibt es mehrere Bereiche, in die eingegriffen (aber nie übergriffig!) wird und für die die Homo-Experten zuständig sind: Wohnen, Partnerschaft/Freunde, Karriere, Kleidung, Ernährung,… Je nachdem, wo Bedarf vorhanden ist.

An wen richtet es sich?

Gute Frage. Eigentlich ist es natürlich bullshittiges Reality-TV, aber meiner Meinung nach steckt hier ein bisschen mehr hinter. Es wird nämlich immer auch mit Klischees aufgeräumt. Da sind zum einen die verrückten fünf Schwulen, denen diese Klischees begegnen, die zu Verwandelnden haben aber auch immer irgendwas klischeehaftes an sich. Da prallen oftmals Welten aufeinander, die sich dann aber immer, immer, immer (Happy-End-Heile-Welt-Fernsehen!) gut verstehen.
Deswegen würde ich sagen, “Queer Eye” richtet sich auch an die Friedliebenden dieser Welt sowie an alle Offendenker. Rückständige sind der Sendung gegenüber wahrscheinlich so skeptisch, dass sie ihr nicht mal eine Chance geben.

Von wem ist es?

Vom guten alten Pay-Netflix. Lässt sich also nicht einfach so angucken – auch auf gar keinen Fall über Youtube oder so. Nein. Muss mensch für bezahlen.
Produzent ist David Collins, ein durchaus erfolgreicher Mann hinter den Kulissen, der auch schon das Vorgängervorbild an den Start gebracht hat.
Die Fab Five selbst entstammen Castings.

Was ist gut gemacht?

Im Gegensatz zu deutschen Mittagsmagazin-Pimp-Shows besteht ein großer Pluspunkt von “Queer Eye” darin, dass “nur” beraten und nicht übergestülpt wird. Das heißt, den Menschen werden Veränderungen angeboten und empfohlen, diese müssen sie aber nicht annehmen. Wenn ihnen ein anprobiertes Hemd nicht gefällt, dann dürfen sie es einfach so zurückhängen, ohne dass böses Blut fließt. Das ist bei vielen solcher Sendungen anders: Da wird schwuppsdiwupps eingekauft, übergezogen, abgeschnitten, ohne dass das Opfer auch nur den Hauch einer Chance hat, mitzukommen. “Queer Eye” gibt Ideen, aber keine Befehle. Das ist sehr angenehm. So hat unser Opfer nicht nur Zeit, sich an die Veränderungen zu gewöhnen, sondern sie gehören auch ein Stück weit zu ihm, denn Wünsche sind immer willkommen.

Was hätte besser sein können?

Manchmal ist es sogar mir ein bisschen zu sehr Friede-Freude-Eierkuchen. Es fehlt eigentlich nur noch die Folge, in der der Neonazi auf die Fab Five trifft und sich am Ende alle weinend in den Armen liegen – inklusive dem schwarzen Schwulen. Übertrieben, aber ihr wisst, worauf ich hinauswill. Bei all den produzierten Folgen und all den Klischeetypen kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass es nie Konflikte gegeben haben soll (bin ich zu negativ für diese Welt?). Ich verstehe, dass die nicht gezeigt werden, würde sie aber gleichzeitig gerne sehen. Für mich – das mag ein Teil deutsche Mentalität sein – ist der Frieden erst dann so richtig toll, wenn es vorher Unfrieden gegeben hat. Da dürfen mal die Fetzen und Beleidigungen fliegen. Wenn das Ende danach aus der Gruppenumarmung besteht, bin ich umso zufriedener.

Teilen!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.