Wie oft habe ich mir ein Zehn-Schritte-Programm “Raus aus der Essstörung” gewünscht. Wie oft musste ich erkennen, dass es das nicht gibt. Und nicht geben kann. Dazu sind unsere Essstörungen viel zu unterschiedlich und viel zu individuell. Manchmal erscheint uns der Kampf da wie ein riesiger Berg, den wir ganz alleine erklimmen müssen. Ein nahezu unlösbares Problem.

Aber nur dann, wenn wir den Berg von unten angucken und den Gipfel fokussieren. Klar, das Ziel vor Augen zu haben, das ist ein ganz wichtiger Punkt. Aber nicht alles. Nicht umsonst heißt es so oft: Der Weg ist das Ziel.

Einen Berg zu besteigen, ist viel schmerzhafter und anstrengender, wenn wir immer nur die so weit entfernte Spitze vor uns haben, anstatt unseren Blick auf die eigenen Füße und den momentanen Weg zu richten. Dann nämlich kommt uns der Weg gar nicht so unendlich steil vor.

Stehen wir unten und sehen diesen ewig lang erscheinenden Gipfel vor uns, dann steigt die Gefahr, dass wir gar nicht erst losgehen. Ohne daran zu denken, dass jeder Schritt zählt. Dass jeder Schritt in die richtige Richtung uns ein kleines bisschen näher ans Ziel bringt.

Einen Berg zu besteigen kostet Kraft. Es ist anstrengend, es kostet Kraft, manchmal fehlt die Kraft weiterzugehen. Manchmal weiß man nicht mal, wofür eigentlich. Und dann fehlt sogar der Glaube daran, das Ziel am Ende zu erreichen.

Dann aber kommen wieder Tage, in denen wir beschwingt nach oben gehen, weil wir etwas Tolles erlebt haben, weil wir den Rücken im Wind spüren und es plötzlich ganz leicht fällt, voranzuschreiten. Von diesen Tagen müssen wir zehren, die dürfen wir nicht vergessen.

Selbst wenn wir nur winzige Schritte gehen, immer mal pausieren oder sogar mal ein Stückchen bergab rutschen, am Ende werden wir ankommen. Es ist ein mühevoller Weg, aber wenn wir unser Ziel nicht aus den Augen verlieren, gleichzeitig aber im Hier und Jetzt bleiben, dann haben wir gute Chancen, es zu erreichen. Den Ausblick zu genießen. (Plötzlich) Zu wissen, wofür wir gekämpft haben.

Schnürt eure Wanderschuhe.

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